Bern: „Free Lina“-Infotour mit der Mutter in der Schweiz

Im August organisierten solidarische Menschen in der Schweiz mehrere Veranstaltungen, auf denen über das Verfahren gegen die angeklagten Antifaschist:innen und den politischen Kontext berichtet wurde. Der folgende Text wurde dazu am 24.08.2021 veröffentlicht:

„Im September beginnt in Leipzig der Prozess gegen die Antifaschistin Lina E. Ihre Mutter hat am Wochenende auf Veranstaltungen in der Schweiz über das Verfahren informiert.

Die Antifaschistin Lina E. wurde im November 2020 in Leipzig verhaftet. Ihr und drei weiteren Angeklagten wird vorgeworfen, Angriffe auf aktive Neonazis geplant und durchgeführt zu haben. Lina soll dabei die Gruppe angeführt und das Kommando übernommen haben. Sie soll Gründerin einer „kriminellen Vereinigung“ sein, weil sie einen Neonazi verprügelt haben soll, der rechtsextreme Kampfsportevents in Thüringen organisiert. Die „Beweise“: Sie nutzt die Signal-App und hatte Perücken, Bargeld, Handys und Hämmer in ihrer Wohnung.

Die Inszenierung von Lina E. als gefährlicher Linksextremistin hat über Deutschland hinaus zu einer breiten Solidaritätswelle geführt. Die Mutter der inhaftierten Antifaschistin hielt am vergangenen Wochenende Infoveranstaltungen in Bern, Basel und Zürich ab. Dabei informierte sie über das laufende Verfahren nach §129 StGB gegen ihre Tochter und die drei Mitangeklagten. Als Mutter und Antifaschistin stellte sie die Solidarität ins Zentrum und erklärte, die große Anteilnahme und Unterstützung über die Landesgrenzen hinaus seien sehr wichtig und spendeten Kraft für die schwierige Zeit: „Wenn die Gesellschaft nach rechts rückt, werden Antifaschist:innen schneller kriminalisiert. Gerade deswegen ist es so wichtig, dass wir zusammenhalten und weitermachen.“

In ihrem Vortrag ging sie auch auf die Verknüpfungen des deutschen Staates mit der gewaltbereiten Neonaziszene ein. So wurden etwa polizeiinterne Daten wie Adressen und Arbeitgeber direkt an Rechtsextreme weitergegeben.

Laut Linas Mutter waren die Haftbedingungen zu Beginn der Untersuchungshaft ausgesprochen hart. So wurde Lina im ersten Monat ihrer Untersuchungshaft jede Stunde geweckt und in ihrer Zelle brannte immer Licht.

Bei den gut besuchten Veranstaltungen wurde aufgefordert, zum Tag der Prozesseröffnung am 8. September 2021 nach Dresden zu kommen. Dort soll eine Demonstration zur Unterstützung von Lina E. und allen Mitangeklagten stattfinden.“